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"Ich wusste gar nicht, dass Leute nicht sportlich sein können."

Interview bei 40 Stunden:

Charly Dankwa ist Fitnesstrainer und hat als Collegebasketballer in der US-College-Liga NJCAA gespielt. Noch heute geht es für ihn darum, jeden Tag ein bisschen besser zu werden. Ein Gespräch über Motivation, die eigene Größe und wie man gute Vorsätze einhält.

Was sind die häufigsten Sätze, die du als Fitness Trainer im neuen Jahr hörst?

Vorsätze natürlich. Man bekommt Bilder gezeigt, wie Leute aussehen wollen. Die Ziele werden dann im Januar auch sehr engagiert verfolgt. Leider sind die meisten Ziele im Februar, spätestens März dann Geschichte.

Warum versagen so viele Menschen bei ihren guten Vorsätzen?

Die meisten Leute scheitern, weil sie vergessen, dass die Zeit zwischen Weihnachten und Sommer anstrengend wird. Sie sind schlicht überrascht. Sport ist harte Arbeit und es kostet Kraft immer wieder an Grenzen zu gehen und Reizschwellen zu überschreiten. Ich mag gute Vorsätze. Es ist immer gut, wenn man Ziele für sich hat. Aber man sollte versuchen, sich mit kleinen Schritten dem großen Ziel zu nähern. Wenn man ein zu großes Ziel hat und man da einfach nicht so leicht hinkommt, dann ist man schnell deprimiert. Und wer dann nicht motiviert ist, gibt auf.

Wenn diese Woche nun die ganzen Leute mit ihren guten Vorsätzen zu Dir kommen: Kannst du erkennen, ob die Person es durchzieht oder nicht?

Ja, mit ein bisschen Erfahrung erkennst du den Charakter. Meistens ziehen die Leute durch, die vorher schon mal Sport gemacht haben – vor allem Mannschaftssportler. Und Leute in Führungspositionen schaffen es auch oft. Es braucht Biss. Es ist gut, wenn der Mensch schon mal die Erfahrung gemacht hat, dass er was erreichen kann.

Wieso bist du Sportler geworden?

Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, die recht durcheinander war, auch kriminell und es herrschte viel Chaos. Der Sport hat mich da raus gezogen und hat mir einfach Spaß gemacht. Sport hat mich beschützt. Ich war immer zu müde, um hinterher noch Scheiße zu bauen.

Was bedeutet Sport heute in deinem Leben?

Für mich ist es ein perfekter Ausgleich. Wenn du Sport machst, werden Glückshormone ausgeschüttet. Ich bin dann glücklich.

Ich kann mich an meine erste Alsterrunde erinnern. Ich war alles, aber nicht glücklich.

Es ist alles Biologie. Wenn du an eine Grenze gehst, die du vorher noch nicht erreicht hattest – zum Beispiel einmal um die Alster – dann tut es weh und du kriegst Muskelkater. Und nein, das fühlt sich nicht wie Glück an. Aber biologisch betrachtet strömt jede Bewegung positive Botenstoffe aus. Man muss den richtigen Punkt treffen und es regelmäßig machen, damit man es spürt.

Stichwort Leistungsgesellschaft. Höher, schneller, weiter. Wenn Leute sich bei der Arbeit auspowern, warum müssen sie dann auch noch ins Gym gehen, was – wie du oben gesagt hast – auch Disziplin und Kraft kostet? Irgendwann muss es doch auch mal gut sein, oder?

Auf der Arbeit herrscht Stress. Den Smog, der dich da umgibt, den musst du abbauen. Und es kommt noch etwas anderes dazu: Wenn du dich auf der Arbeit nicht bewegst, baut der Körper gewisse Muskelgruppen ab. Daraufhin wird das Gerüst nicht mehr ordentlich gehalten und die Körperhaltung verändert sich. Auf diese Weise entsteht körperlicher Stress, der den psychischen Stress noch mehr unterstützt. Du bist im Ganzen weniger aufgerichtet. Du wirst wortwörtlich kleiner und der Stolz sinkt automatisch. Es gibt viele Methoden, jemanden da raus zu holen. Aber die einfachste ist Sport.

Und was ist die häufigste Ausrede, warum Leute keinen Sport machen können?

Die Zeit. Denn wenn du zwölf Stunden am Tag arbeitest, dann ist da keine Zeit mehr für Sport. Dann kann ich jeden verstehen, der sich ausruhen will und auf dem Sofa versinkt. Aber wie lange ist solch ein Leben gesund? Irgendwann kommt der Punkt, wo sich Menschen Zeit nehmen müssen. Nämlich dann, wenn sie ihre Gesundheit fixen müssen. Dann wird es bitter. Besser man läuft nicht in dieses Messer. Jeder Mensch muss sich auch um sich selber kümmern. Und dazu muss er sich Zeit nehmen.

Was ist der Schlüssel, um beim Sport erfolgreich zu sein?

Disziplin. Aber diese Disziplin schult dich in allen Lagen des Lebens. Und man muss sich auch selber motivieren können. Wenn man das nicht kann, dann sollte man versuchen, das über den Sport zu lernen. Der größte Feind von sportlichem Erfolg ist, sich einzureden, dass man es eh nicht schafft.

Sind Sportler bessere Menschen?

Das würde ich nicht sagen. Aber ich würde sagen, dass Sportler ausgeglichenere Menschen sind. Sie haben ein gutes Bewusstsein für ihren Körper. Und das fördert auch einen gesunden Geist.

Was macht dir Spaß an deinem Job?

Mir macht es Spaß, den Menschen was Gutes zu tun. Ich bin für die Menschen da, die sich sagen: „Ich komme so nicht mehr weiter.“ Oft helfe ich den Menschen dabei, einen neuen Sinn zu finden. Ich finde es schön, Leuten zu helfen, sich selber zu verwirklichen.

Wie viele Liegestütze schaffst du gerade?

Ha ha. Alle!

Aber wenn jetzt jemand kommt, der keinen schafft. Flippst du dann nicht innerlich aus?

Als ich als Trainer begonnen habe, kam ich direkt aus dem Leistungssport. Damals war ich sehr ungeduldig. Ich wusste gar nicht, dass Leute nicht sportlich sein können. Aber dann habe ich entdeckt, dass die Entwicklung bei untrainierten Leuten total schnell geht. Bei Athleten drehst du immer nur an Feinheiten, aber bei Anfängern kannst du richtig was bewegen. Da feilst du am Rohdiamanten und das macht Spaß.

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